Eine Begegnung im Vorbeigehen
Das Clubheim lag stiller da als sonst. Kein Lachen, kein Schrauben, kein gemeinsames Tüfteln — nur das leise Surren der Lüftung und der Geruch von Holzleim, der in der Luft hing. Corona hatte das Vereinsleben ausgebremst, aber nicht zum Stillstand gebracht. Einzelarbeit war erlaubt, und so kam jeder einmal die Woche für ein paar Stunden, um an „seinem“ Stück der Anlage weiterzubauen.
An diesem Nachmittag war Walter gerade dabei, ein paar Kabel unter der Nebenstrecke zu verlegen. Maske im Gesicht, Werkzeugtasche neben sich, konzentriert wie immer. Er hörte Schritte im Gang, gedämpft durch die Maskenpflicht und die ungewohnte Ruhe im Gebäude.
Die Tür öffnete sich einen Spalt.
„Hallo Walter!“ rief eine Stimme, gedämpft, aber unverkennbar. Es war Gerhard, der gerade seinen eigenen Arbeitstermin hatte.
Walter richtete sich auf, klopfte sich den Staub von der Hose und winkte.
„Hallo Gerhard! Auch wieder einmal da!“

Die Aufnahme mit Walter entstand mit dem Mobiltelefon von Gerhard am 27.12.2020
Sie blieben beide stehen — weit voneinander entfernt, jeder auf seiner Seite des Raumes. Ein paar Sekunden lang sagten sie nichts, aber man sah ihnen an, wie gut es tat, ein vertrautes Gesicht zu sehen. In normalen Zeiten hätten sie sich die Hände geschüttelt. Jetzt blieb nur ein Lächeln hinter Stoff und Abstand.
„Schaut gut aus, was du da machst“, meinte Gerhard und deutete auf die frisch verlegten Kabel.
„Ja, wird langsam“, antwortete Walter. „Aber aleine macht’s halt nur halb so viel Spaß.“
Gerhard nickte. „Stimmt. Aber wenigstens geht was weiter. Und irgendwann sitzen wir wieder gemeinsam da, mit Kaffee und Schmäh.“
„Darauf freu ich mich schon“, sagte Walter. „Bis dahin sehen wir uns halt so — im Vorbeigehen.“
Sie lachten kurz, winkten sich zu und gingen wieder an ihre Arbeit. Nur ein paar Sekunden Begegnung, aber genug, um zu spüren: Der Club lebt. Auch auf Abstand.