Schorsch und die widerspenstige R880 – Eine Lok, die knarrt wie Opas Knie
Es war wieder Bastelstunde im Modellbahnclub St. Florian, und Schorsch saß vor seinem Tisch wie ein Dirigent vor dem Orchester – bereit, der ehrwürdigen Märklin R880 eine grandiose Fahrt in Spur 0 zu ermöglichen. Doch das Schicksal hatte andere Pläne.
Schorsch setzte die Lok auf die Gleise, drückte feierlich den Startknopf – und nichts passierte. Kein Rattern, kein Zischen, nicht einmal ein Mucks. Die R880 stand da wie eine Diva, die ihren Auftritt verweigert.
"Sie streikt," murmelte Schorsch und beugte sich näher, "vermutlich aus Protest gegen das moderne Plastikzeug..."
Er holte aus seinem Werkzeugkoffer eine winzige Ölkanne, die schon bessere Tage gesehen hatte, und begann, die Lok zu behandeln wie ein antikes Möbelstück. Mit vorsichtiger Hand träufelte er Öl auf jedes noch so kleine Ritzel, redete beruhigend auf die Lok ein:
"Na komm, alte Dame. Du bist stolzer Jahrgang 1939 – du hast schon mehr Fahrten hinter dir als ich Sonntagsbraten."

Ein paar Tropfen später, ein prüfender Blick – und siehe da! Die R880 ruckelte vorwärts, als hätte sie nur einen kleinen Energieschub gebraucht. Langsam, aber mit Würde fuhr sie los, ihre Räder schnurrten wie eine zufriedene Katze.
Schorsch zwinkerte: "Das ist kein Defekt. Das ist Stil. Die Lok fährt im Tempo der Erinnerung."
Ein paar Clubmitglieder verneigten sich symbolisch vor der rollenden Legende. Und Schorsch? Der lehnte sich zurück, verschränkte die Arme und sagte:
"Öl ist Medizin für Maschinen. Mit ein bisschen Pflege läuft alles wieder rund."